Design-Prinzipien

Immer wieder kommen Fragen über das Design einer Hausarbeit auf. Zuallererst sollte man natürlich nachschauen, ob das jeweilige Institut oder der Professor entsprechende Richtlinien veröffentlicht hat. So manche Dinge aber stehen nie in diesen Richtlinien; entweder, weil sie zu allgemein sind – d.h. nicht nur Hausarbeiten, sondern jede Art von Texten betreffen – oder zu speziell – d.h. die Schreiber der Richtlinien haben diesen Fall gar nicht bedacht. In diesen Fällen können ein paar allgemeine Design-Prinzipien hilfreich sein.

In Ihrem Buch The Non-Designer’s Design Book formuliert Robin Williams vier solche Prinzipien, die man in sehr vielen Fällen anwenden kann. Das Buch macht keinen guten ersten Eindrick – das Cover sieht (meiner Meinung nach) ziemlich billig aus, der Inhalt scheint aus einer Ansammlung von Beispielen zu bestehen, und selbst die Prinzipien scheinen nichts weiter als gesunder Menschenverstand zu sein. Irgendwie sind sie das auch; denn werden sie nicht angewendet, so sieht man gleich, dass etwas nicht gut aussieht; aber man weiß meist nicht genau, woran das liegt. Hier ist es nützlich, sich diese vier einfachen Prinzipien einmal bewusst zu machen. Und überhaupt ist es gut, sie immer vor Augen zu haben, wenn man irgendeine Formatierungsaufgabe ausführt.

Auf englisch kann man sich diese Prinzipien mittels eines Akronyms leicht merken. Leider besagt das Akronym genau das Gegenteil dessen, was am Ende rauskommen soll: CRAP.

Man beachte, dass ich im Folgenden nur einige wenige sehr spezifische Anwendungsbeispiele nenne, die Prinzipien aber in vielen anderen Situationen angewandt werden können. Und auch, dass die Prinzipien einander beeinflussen und gut ausgewogen werden müssen.

Contrast (Konrast)

Benutze keine ähnlichen Elemente. Entweder sind sie gleich und sollten deshalb auch gleich aussehen, oder sie sind verschieden, und der Leser sollte diesen Unterschied sofort erkennen können.

Ein einfaches Beispiel: Überschriften sollten sofort als solche erkennbar sein; es reicht nicht, die Schriftgröße um einen Punkt zu erhöhen. Besser ist Fettschrift und mindestens zwei Punkt größere Schrift. Und verschiedene Elemente sollten verschieden ausgewiesen werden; Kursivschrift kann nicht für „wichtig“ und für „linguistisches Beispiel“ stehen.

Ein Problem, das aufkommt, wenn man phonetische oder andere Sonderzeichen braucht. Die Schriftart, die man im Text benutzt, stellt diese Zeichen nicht zur Verfügung. Viele nehmen diese Zeichen dann einfach aus einer anderen Schriftart, was zu einem unschönen Text führt. Besser ist es, alle phonetischen Beispiele (oder Formeln oder wofür auch immer man die Sonderzeichen braucht) komplett in dieser anderen Schriftart zu setzen. Das macht viel mehr Sinn als, als eine eigene Schriftart für alle Schwas oder alle griechischen Buchstaben zu benutzen.

Repetition (Wiederholung)

Wiederkehrende Elemente zeigen dem Leser, dass er immer noch das gleiche Werk liest.

Benutzt man zum Beispiel Grafiken und haben nur manche davon einen Rahmen, so empfiehlt es sich, diesen Rahmen zu entfernen oder auch die anderen Grafiken mit einem Rahmen zu versehen. Muss man Abstände zum Beispiel in einer Liste verändern, weil man sie unbedingt auf eine Seite bekommen will, sollte man sich überlegen, auch die Abstände in allen anderen Listen anzupassen, damit diese eine Liste nicht fehl am Platz erscheint. Und, noch einmal, Auszeichnungen sollten konsequent angewandt werden; es macht keinen Sinn, in einem Beispiel die betonten Silben fett zu drucken und in einem anderen Beispiel die betonten Silben mit Akzenten auszuweisen (ja, hab ich mal gesehen).

Alignment (Ausrichtung)

Kein Element sollte willkürlich auf der Seite platziert werden. Jedes Element sollte an einem anderen ausgerichtet sein.

Hat die Hausarbeit zum Beispiel Kopf- oder Fußzeilen, so sollten diese am Haupttext ausgerichtet sein. Werden Grafiken oder Tabellen benutzt, so sollten deren horizontale Ausrichtung nicht der Willkür der Software überlassen werden; alle Grafiken und Tabellen sollten die gleiche Ausrichtung haben.

Proximity (Nähe)

Zusammengehörige Elemente sollten auf der Seite näher beieinander platziert sein.

Vor einer Überschrift sollte nicht weniger Platz gelassen als danach; die Überschrift gehört zum folgenden Text. Bild- oder Tabellenunterschriften sollten näher am Bild oder an der Tabelle sein als am restlichen Text, damit der Leser die Zugehörigkeit sofort sieht.

Auch zu vermeiden sind sogenannte Hurenkinder – die letzte Zeile eines Absatzes am Anfang einer neuen Seite, und Schusterjungen – die erste Zeile eine Absatzes am Ende einer Seite.